Systemisch unterwegs – Veränderung verstehen in der Jugendarbeit

2–3 Minuten

Seit ein paar Monaten besuche ich den CAS Change Management, Organisationsberatung und -entwicklung an der ZHAW. Obwohl der Titel nach Flipchart und Sitzungssaal klingt, ist das Thema überraschend praxisnah – vor allem für meine Arbeit mit Jugendlichen, Leitungsteams und in kirchlichen Strukturen.

Flipchart mit Fragen zur Systemanalyse in der Jugendarbeit. (Erstellt mit KI)

Veränderung ist Alltag – auch in der Jugendarbeit

In der Jugendarbeit verändern sich ständig Dinge: Neue Menschen kommen dazu, andere gehen, ein Leitungsteam braucht frischen Wind oder ein Projekt steckt fest. Vieles davon läuft informell – mit Bauchgefühl, Improvisation und persönlichem Einsatz.
Aber gerade in schwierigen Phasen spüre ich: Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Systemisch heisst: nicht zu schnell urteilen

Die systemische Haltung, wie wir sie im Kurs kennenlernen, hat mir eine neue Perspektive eröffnet. Sie hilft mir, den Fokus zu verschieben: Weg vom „Problem beim Einzelnen“, hin zum Blick auf das ganze System.

Wenn in einem Leitungsteam zum Beispiel jemand plötzlich nicht mehr mitzieht, frage ich nicht mehr nur: Was ist mit dieser Person los?, sondern: Was passiert im Umfeld? Welche Rolle hat sich vielleicht verschoben? Welche Erwartungen sind unausgesprochen geblieben?

Diese Haltung bringt mehr Ruhe ins eigene Denken – und verhindert, dass ich vorschnell mit Lösungen komme, die eigentlich am Thema vorbeigehen.

Struktur versus Beziehung

Ein weiteres Aha-Erlebnis war die Frage: Wie viel Organisation steckt in unseren Jugendgruppen?
Viele Jugendteams funktionieren irgendwo zwischen Freundschaft und Verantwortung. Und das ist auch gut so. Aber es wird dann schwierig, wenn klare Rollen fehlen oder wenn „niemand sagen will, was Sache ist“.

In der Weiterbildung beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Organisationen funktionieren – und wo sie an ihre Grenzen stossen. Besonders spannend für mich: Nicht jede gute Idee braucht sofort eine neue Struktur. Aber jede Struktur verändert, wie sich Menschen verhalten.

Was ich mitnehme

Ich beobachte bewusster, wie Gruppen funktionieren – und woran Veränderung manchmal scheitert. Ich stelle öfter die Frage:

  • Was braucht dieses Team gerade wirklich?
  • Welche Struktur hilft – und welche hemmt?
  • Wo kann ich moderieren, statt direkt zu führen?

Fazit

Was ich besonders schätze: Die Weiterbildung zwingt mich nicht, alles anders zu machen. Sie schenkt mir aber neue Fragen. Und die sind oft hilfreicher als schnelle Antworten.

Veränderung gehört zur Jugendarbeit dazu – und je besser ich sie verstehe, desto besser kann ich sie mitgestalten.